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Deka Wien gegen Gramm Wien

Des woars, i bin a Durist, und a deppada noa dazu.

Geh ich doch in einen Supermarkt namens "Gegenteil von teuer" und stell mich freudestrahlend an die Wursttheke. Die türkische Wienerin begrüsst mich mit einem Lächeln : "Bittschön, der gnädige Härr? Wos häddens denn gerne?"
"50 Gramm Bierschinken, bitte," flüssig und lächelnd kam meine Antwort herausgeschossen.
"Bierschinken?"
Verblüfft, dass eine mitlerweile imaginäre Grenze zwischen Bayern und Österreich noch immer Grenzen zieht, wenn auch zum Glück nur sprachliche, deutete ich auf den mir wohlgesonnenen Schinken. Nichtsahnend, dass das erst die Kuvertüre meines privaten Theaterstückes sein sollte.
"Ah den, der heisst hier ....Krakauer (oder so ähnlich, hab den Namen vergessen). Und wieviel darfs sein?"
" 50 Gramm, bitte."
"50 Deka?"
" Wenn Deka gleich Gramm sind, ja dann 50 Deka."
Die ältere Dame neben mir amüsierte sich schon, was ich aber zu diesem Zeitpunkt als reine Höflichkeit interpretierte. Während ich die ansehnliche Wursttheke genoss, begann meine persönliche Wiener Wurstwarenverkäuferin mit türkischen/kurdischen (wer weiss das schon so genau) Wurzeln mit der Säbelei. Die Maschine gab ihr Bestes.
Der Krakauerhaufen wuchs und wuchs. Okay, dachte ich mir, sie schneidet gleich noch ein paar Scheiben extra ab für die wirklich sehr schöne Wurstauslage.
Die alte Frau neben mir lächelte mir aufmunternd zu, was ich zu diesem Zeitpunkt immer noch falsch interpretierte. Als mein Blick sich wieder der Wurstschneidemaschine zuwandte, stockte mein Herz. Der Haufen mit "polnischer" Wurst war mittlerweile zu einem kleinen Hügel mit Tendenz zum Berg angewachsen.
"Tschuldigung, ich wollte nur 50 Gramm. " Mein leiser Interventionsversuch, mit der fehlerhaftbelasteten Angabe in Gramm wurde mit supersüssen, rehbraunen und weit aufgerissenen Augen beantwortet.
Jetzt kam die alte Dame zu ihrem Einsatz. Auf die Sekunde genau ergriff sie das Wort.
" Der Herr kommt aus Deutschland, die kennen da Deka nicht."
" Und wieviel will er dann?"
" 50 Gramm hätt ich gern." Mein Selbstbewusstsein verringerte sich zusehends. War ich zu deppert 50 Gramm Bierschinken zu bestellen? War mein bayrisches Deutsch nicht
Ösiland kompatibel? War ich unbemerkt zum typischen Verpackungsthekenkunden mutiert?
Die Augen der wunderhübschen Wurstwarenverkäuferin mit tür......, aber das hatten wir ja schon, weiteten sich abermals. Schon deshalb hatte sich der Ausflug in die Niederrungen der österreichischen Wurstwarenabteilungen gelohnt, was ich aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnte.
"Gems erm 5 Deka," mischte sich die alte Dame nochmals ein und lächelte mich von der Seite an.
Die wird heute Nachmittag eine schöne Geschichte ihren Kaffeekranztanten zu berichten haben, dachte ich mir noch und lächelte dankbar zurück.
Das kleine, 50 Gramm schwere Wurstpaket wurde mir von meiner -Mann war die hübsch- Wurstwarenverkäuferin gereicht. Erst jetzt bekam ich ein Gespür für 5 Deka, fühlte sich an wie 50 Gramm.
Und nur wegen ihr wag ich's nächstesmal nochamal. I geb niad auf. Werd wiada 50 Gramm Bierschinken bschstelln uind auf das täglich grüssende Murmeltier hoffen.

7.5.07 10:15
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


viennalovesfürth (10.5.07 21:06)
Da fällt mir doch die selige Geschichte meines Besuches bei Tengelmann in München, dieser Kleinstadt mit Großstadtanspruch wieder ein: Man geht zur Wursttheke und bestellt - ob des kommenden Genusses natürlich freudig erregt - zwei Extrawurstsemmeln. Eine durchaus logische Handlung, vor allem eingedenk der Tatsache, dass die Extrawurst "iß mich" schreiend in der Theke lag. Nun will es die deutsche Sprache, dass die österreichische Extrawurst im vulgären bundesdeutsch zur "Fleischwurst" wird. Somit war der arme Tengelmannverkäufer mit der Bitte nach 2 "Extrawurstsemmeln" überfordert. Er schneidet die Semmeln - schon einmal ein Fortschritt dass auch Semmeln und nicht nur Brötchen verstanden wird - und fragt nochmals nach der Wurst. Meine naive Antwort "Extrawurst" lässt ihn nahezu verzweifeln und sagt mir ganz erregt, dass ich mir die Wurst ja aussuchen könne. Na, dass will ich ja wohl hoffen, bin ja in München und nicht in Karl Marx Stadt oder sonstwo. Jedenfalls waren wohl meine Würstelfinger und seine Augen nicht kompatibel und er griff auf meinen Fingerzeig zu irgendetwas wurstähnlichem (soweit entfernt von einer Extrawurst wie H.C. Strache von der Fremdenfreundlichkeit). Aber mein mittlerweile extrem angewachsenes Hungergefühl befahl meinem Mund einfach ja zu sagen und die nächste Extrawurstsemmel für Wien-Westbahnhof einzuplanen.

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